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Freunde Gutenbergs (30.04.2009)
Liebe Freunde Gutenbergs,
sehr herzlich begrüßte Hartmut Flothmann, Koorganisator der Veranstaltungsreihe Jour Fixe der Freunde Gutenbergs und Vorstandsmitglied der Intern. Gutenberg-Gesellschaft, die Gäste zum 27. Jour Fixe. Namentlich den Vizepräsidenten der Gutenberg-Gesellschaft Günther Knödler als treuen Teilnehmer an der Veranstaltung sowie die Geschäftsführerin Sabine Idstein, die „Frau mit dem Federkiel“, und last but not least das rührige Team des Café Codex unter der Leitung von Jasmin Größel.
Flothmanns besonderer Gruß galt der Referentin des Tages, Dr. Eva Hanebutt-Benz, Direktorin des Gutenberg-Museums und stellv. Vorsitzende der Vereinigung der europäischen Druck-Museen sowie dem heutigen Referenten Johannes Strugalla, Künstler und Galerist in Mainz und Paris. Beide, Dr. Eva Hanebutt-Benz, und Johannes Strugalla wären dank ihrer fachspezifischen Paris-Erfahrungen besonders prädestiniert zum Themenzyklus Paris zu sprechen.
Dass das Organisatoren-Team heute ausnahmsweise ohne Günter Lindner auskommen musste, lag daran, dass Lindner sich mit seiner Frau und der Theatergemeinde Mainz auf Kulturreise in Berlin aufhielt.
Flothmann, der selbst als Referent beteiligt war und der schon seit 2002 regelmäßig PARIS „Auf den Spuren Gutenbergs“ besucht, brachte zum Ausdruck, dass Paris und Mainz viele Verbindungen im Sinne Gutenbergs pflegten. So wäre zu Ehren von Guillaume Fichet, Universitätsbibliothekar an der Sorbonne, der 1470 die erste Druckerpresse in Frankreich aufstellte, sowohl in Mainz als auch in Paris ein Denkmal in den 2000er Jahren errichtet worden. Desweiteren hätte sich die Imprimerie Nationale, Paris, bereits 1948 mit einer guten Auswahl ihrer alten und neuen Drucke an der Schau „Die Kunst Gutenbergs in ihren Meisterleistungen“ aus Anlass der Gutenberg-Festwoche beteiligt.
Flothmann verwies auf die neue Mikrofonanlage, die die Akustik verstärkte und selbst abgelegene Plätze im Café beschallte, sowie auf den Flachbildschirm vom CODEX, der erstmals für die Visualisierung der Redebeiträge eingesetzt wurde. Er dankte André Horch vom Gutenberg-Museum, der die Bildbeiträge aller Referenten für die Veranstaltung zusammengefasst hatte.
,,Die Aus- und Weiterbildung an der École Estienne, Paris"
Als erste begann Dr. Eva Hanebutt-Benz ihren Beitrag über ,,Die Aus- und Weiterbildung an der École Estienne, Paris". Vorab machte sie das Publikum darauf aufmerksam, dass es sich bei ihrem Beitrag nur um Notizen und Hinweise handeln würde:
Verbindungen zwischen Mainz und Paris in der Nachfolge Gutenbergs hätten mit der Schwierigkeit umzugehen, ohne große Mittel Dauerhaftes und Nachhaltiges zu schaffen.
Renommee und Leistung der École Estienne schätzte die Direktorin sehr hoch ein und pflichtete damit Flothmann bei, der die Schule seit 1984 kennt und in seiner Einführung auf deren Bedeutung hinwies.
Dann aber ging es in die glorreiche Historie der Schule: 1889 wurde die Schule im Zuge der Entstehung neuer Spezialschulen gegründet. Die Idee kam von Ardel de Golac und bestand darin, eine Grundausbildung grafischer Techniken und Typografie im Zuge mit der schulischen Ausbildung bis zum Abitur anzubieten. Die Schule stand von Beginn an in außerordentlichem Ruf und hat bis heute dieses Image gepflegt.
Dr. Eva Hanebutt-Benz zeigte ein Foto der historischen Backsteinfassade mit Dreiecksgiebel und klärte auf, dass kein geringerer Architekt als Gustave Eiffel an der Architektur beteiligt gewesen sei.
Der rot-gelbe Schulbau wäre beim Place d´Italie gelegen. Besucher würden sich am besten anmelden.. Im Institut würden sowohl alte Satz- und Drucktechniken wie neue vermittelt.
Der Name der Schule gehe zurück auf eine ganze Druckerdynastie mit dem Namen Estienne. Ihre Geschichte begann mit der Geburt eines Druckers im Jahre 1460. Noch im 17. Jh. verlegten die Estiennes bedeutende Bücher. Später ist der Name durch Heirat verwischt worden,
Nachfahren mit heute anderen Namens setzten und druckten noch heute. Dr. Hanebutt-Benz knüpfte eine Verbindung nach Mainz und verglich diese Pariser Familie mit der Mainzer Familie von Peter Schöffer.
Ein uns bekannter Schüler der École Estienne ist z.B. Prof. Wilkes , er hat dort studiert und berichtete, dass man sogar den heute fast ausgestorbenen Beruf des Steingraveurs aber auch Kupferstich und Buchbinden dort erlernen könne. Gerade als Buchbinder hätten die Franzosen eine besondere Könnerschaft entwickelt, informierte die Direktorin.
Um die besondere Leistung der École Estienne würdigen zu können, reichte Dr. Hanebutt-Benz einige Spitzenleistungen aus Paris herum. Es handelte sich um Editionen und Cartiers. Louis Jou stellte einst im Gutenberg Museum aus, andere glanzvolle Namen, die mit der Pariser Schule verbunden sind, sind Adrian Frutiger, Eugen Grassé, Albert Leconte u.a.
Künstlerbücher erstellen Studenten am Ende ihres Studiums. Das Publikum des Jour Fixe nahm bewundernd die edel gestalteten und gedruckten Bücher entgegen und konnte sich kaum erwehren, den Tipp von Dr. Hanebutt-Benz zu verinnerlichen: einen Blick auf die Schule auch unter architektonischen Gesichtspunkten zu werfen, Studierende bei der Arbeit zu sehen und die sehr zu empfehlende Bibliothek zu betreten.
Günther Knödler dankte Dr. Eva Hanebutt-Benz nicht nur für den schönen Bericht, sondern auch, dass sie sich die Zeit genommen hatte, den Jour Fixe mit ihrem Beitrag zu bereichern. Immerhin sei sie die vielbeschäftigte Direktorin unseres GUTENBERG-MUSEUMS; dem Weltmuseums der Druckkunst, in Mainz.
„Frühe Plakatkunst in Paris“
Im Anschluss führte der Vizepräsident der Intern. Gutenberg-Gesellschaft das Referat von Hartmut Flothmann „Frühe Plakatkunst in Paris“ ein. Er wies daraufhin, dass Flothmann seit 2004 bereits viele Reisen auf den Spuren Gutenbergs nach Paris unternommen habe, mit dem Ziel, die Museen der Seine-Metropole, die Print und Medien beinhalten, aufzuspüren und kennen zu lernen.
Flothmann kam gleich zur Sache und führte aus:
„Mein neuerlicher Besuch in diesem Monat in Paris zum Themenzyklus Druckkunst in Paris war ein Volltreffer. Es gab mehrere Ausstellungen dazu, die ich mit meinem heutigen Thema „Frühe Plakatkunst in Paris“ Revue passieren lassen kann.
Zur Geschichte des Plakates sei kurz gesagt, dass das reine Schriftplakat seit William Caxtons Verlagsanzeige von 1477 bekannt ist, als erstes Bildplakat gilt Fredericks Walker „Woman in White“ von 1871. In Frankreich waren die Pioniere des Bildplakates akademisch ausgebildete Maler wie Toulouse-Lautrec und Steinlen. Obwohl Plakate anfangs Eintagserscheinungen waren, gab es schon bald Plakatsammler, denen wir kostbare Altbestände als hervorragende Zeitdokumente verdanken.“
Als erstes Bild brachte der Vortragende eine der attraktiven Litfasssäulen in Paris: „Was wäre die Plakatkunst in ihrer Außenwirkung ohne die Litfasssäule ? 1855 in Berlin vom Drucker Ernst Litfass erfunden, gehört diese in Paris zum vertrauten Stadtbild: Hier mit dem Filmplakat über den Anti-James Bond-Film 117, über den ganz Paris lacht.“ Es folgten zu den verschiedenen Zeitepochen je einige Plakatbeispiele auf dem Monitor, von denen wir hier im Nachbericht einige charakteristische Beispiele anführen. Flothmann fuhr fort:
„Mit der Plakat-Abbildung „Persivani“ treten wir in die Anfänge der modernen illustrierten Plakatkunst ein, die mit Jules CHERET (1836 – 1932) von Paris ausging. Er war gelernter Lithograf und gilt als Pionier der modernen farbigen Bildplakate. Seine Plakate assoziieren Frühling- und Sommer-Stimmungen. Er ist von Turners Sonnenuntergängen beeinflusst. Das brillante Rot, Orange und Gelb sind seine Welt. Diese Lithografie stammt von 1875. Die „Frühe Plakatkunst“ ist in der Bibliothèque Nationale, Richelieu , mit vielen Originalen und Literatur hervorragend repräsentiert. CHERET war nicht nur Plakatkünstler sondern hatte auch eine eigene lithografische Anstalt. Insgesamt hat er etwa 1200 Plakate gestaltet. Die Typografie ist hier mit symmetrischer Anordnung und Bogensatz sehr auf die Illustration ausgerichtet. Ihm ging es besonders darum, packende Bilder in lebhaften, aber harmonischen Farben zu erschaffen.
Mit dem Plakat „Le Réve“ kommen wir zu einem weiteren Altmeister der illustrierten Plakatkunst, der im April im Musée d'art et d'histoire de la ville de Saint-Denis ausgestellt wurde: Théophile-Alexandre Steinlen (1859-1923) . Steinlen war Sozialist, Fabrikarbeiter und assoziiert mit seiner Plakatkunst mental eher Herbst- und Winterstimmungen. Bei „Le Réve“ handelt es sich um eine Hochätzung von 1890 , also schon um ein photomechanisches Verfahren. Künstler, Verleger und Drucker sind auf dem Künstlerplakat vermerkt. Der japanische Einfluss zeigt sich in der genauen Zeichnung des Details. Über Steinlen herrschte über lange Zeit Stillschweigen, er wurde erst 1953 von der Bibliothèque Nationale, Paris, wieder entdeckt.
Das Plakat „Chat Noir“, eine Lithografie von Steinlen von 1896, wurde mehrfach variiert und multipliziert für die verschiedenen Anlässe.
Die Exposition TOULOUSE-LAUTREC fand im MUSÉE MAXIM'S statt. Um mit dem Musical zu sprechen „gehen auch wir heut ins Maxim“. Inhaber ist der Maitre der Haute Couture, Pierre Cardin, der seine Ausstellungen unter dem Slogan „La Collection 1900“ veranstaltet. Von Toulouse-Lautrec, der in verschiedenen Ateliers studierte, sind insgesamt nur 32 Plakate bekannt. Auch er war vom japanischen Holzschnitt beeinflusst.
„LA GOULUE“, eine Farblithografie, das erste Plakat von Toulouse-Lautrec (1864 – 1901) 1891 für das Moulin Rouge, ein von ihm signiertes Künstlerplakat. Das Moulin Rouge war zu dieser Zeit eine eigene Welt für sich und es war die Welt von Toulouse-Lautrec , der Montmartre im Rampenlicht zeigt. Dies erste Plakat erinnert noch an Cherets Plakat 1889 für das Moulin Rouge, danach entwickelte Toulouse-Lautrec einen eigenen Stil. Seine Arbeiten sind voller Lebenslust.
Ein lithografisch angelegtes Plakat „Salon des Cent“ aus dem Jahre 1896 umfasst auch die Schriftzeilen, die als Künstlerschriften ohne typografische Gesetzmäßigkeiten positioniert sind.
Mit dem Plakat „Les Hommes du Jour“ kommen wir zu Francisque Poulbot (1879 – 1946) , dessen Plakate in der Bibliothèque Forney zu sehen sind. Er kümmerte sich als Künstler des Montmartre um die Straßenkinder. Das Plakat gestaltete der sozialkritische Künstler um 1910. Die Illustration - der Junge mit dem Stein in der Hand, die Bürger auf der Flucht - ist sehr aussagestark gestaltet.
Es folgt das aktuelle Ausstellungsplakat „LE SIÈCLE DU JAZZ“ vom Musèe du quai Branly . Modernes Design, kombin. Schrift-/Bildlösung.
Jetzt kommen wir zu Themenplakaten in Form der Jazzplakate. LA DANSE aus dem Jahr 1928. Z.B. EARTHA KITT als Blickfang. Plakat aus 1958, wie sie viele von uns noch kennen. Die Namen sind Kult. Oder das Plakat „JAZZ“: Intellektuelles Design der 1990er Jahre, im Stil der Werbeagenturen: Z.B. die gestürzte Zeile auf der Mittelachse.
Es folgt das Ausstellungsplakat der Galerie Sit Down „Affiches à l'affiche “ im Marais-Viertel, Rue Sainte Anastase, nahe dem Picasso-Museum. Mit alten Kunstausstellungsplakaten, ab den 1950er Jahre , setzen wir die Gattung der Themenplakate fort. So das Plakat von Picasso mit Collage, Fotolithografie von 1956. Dann das Originalplakat von Picasso, 1958, Lithografie, Druck Mourlot, Paris, einer der bedeutendsten Plakatdrucker in Paris. Es folgt das Plakat von dem weltberühmten Architekten Le Corbusier, 1962, Lithografie. Und das Plakat Calder, 1965, Lithografie, 60 x 41 cm. Diesem Künstler, einem genialen Bildhauer, der mit Draht arbeitet, widmet das Centre Pompidou derzeit eine eigene Ausstellung. Dann das Plakat Rauschenberg, 1968, Offset, 69 x 52 cm. „Empire State Building trifft den Eiffelturm“.
Und das Plakat Niki de Saint-Phalle, 1992, eine Original-Serigrafie.
Im Musée Publicité, die Ausstellung «Antoine + Manuel », Grafiker und Designer, Zusammenarbeit seit 1990. Plakat « I have a dream », inspiriert von Martin Luther King. Die beiden gelten als Begründer des sog. French Touch, als erste Computer-Grafiker, inspiriert von Themen wie das Universum, Träume und surrealistische Darstellungen.
Und als Abschluss das Ausstellungsplakat Warhol vor dem Grand Palais. Mit diesem großformatigen Digitaldruck-Plakat sind wir in der Wirklichkeit 2009 angekommen.“
Günther Knödler dankte Flothmann sehr herzlich für die Revue „135 Jahre Plakatgeschichte aus Paris“ und wies daraufhin, dass zum Thema „Historische Plakatkunst“ Führungen bei Kupferberg angeboten würden, die sehr empfehlenswert seien.
Nach einer kurzen und spannenden Diskussion darüber, ob es einen Zusammenhang zwischen der Entstehung der Litfasssäule und dem Abwassersystem in Berlin gab (die Frage konnte noch nicht abschließend geklärt werden) , leitete Knödler zum Verleger Johannes Strugalla über, der das Thema behandelte:
"Eine Künstleredition als Brückenschlag zwischen Mainz und Paris: Künstlerbücher und Druckgrafik"
Ein sehr persönliches Verhältnis zu Paris ergab sich bei Strugalla schon daraus, dass er seine französische Ehefrau in Paris kennen lernte und in Paris studiert hatte. Sein Schwerpunkt war die Druckgrafik.
Als die Druck-Abteilung der Sorbonne technisch revolutioniert wurde, konnte man den Bleisatz nicht aufbewahren und suchte einen Abnehmer. Man versuchte diesen sogar im Gutenberg-Museum unterzubringen, was offensichtlich mißlang – Strugalla wandte sich mit einer Geste an die Museumsdirektorin und verkündete: „das war lange vor Ihrer Zeit“ – damals übernahm er schließlich selbst einige Tonnen Blei. Zusammen mit politisch engagierten Menschen gründete er in der Alten Ziegelei ein offenes Atelier. Die dort stattfindende Tätigkeit hat der Druckladen des Gutenberg-Museums später auf anderer Ebene aufgenommen.
Das offene Atelier in der Alten Ziegelei erstellte in Zusammenarbeit mit Mainzer Autoren ein Mainz-Plakat-Gedicht. Der Flachbildschirm zeigte dem Publikum im Codex ein faszinierendes Bild: „Jedem sein Mainz“ aus der Reihe der Mainzer Blätter von Heinz G. Hahs und Johannes Strugalla im Handpressendruck 1984 entstanden. Es spielt mit dem Wort Mainz inhaltlich und formal.: Mit unzähligen Typen werden Variationen vorgenommen, orthographisch mit dem Namen der Landeshauptstadt experimentiert. Das ganze Blatt ist mit Schrift dekoriert, die zudem viel Humor entfaltet, wenn dort u.a. zu lesen ist: „Maynç verloren alles verloren“.
Das Spiel mit den Typen wurde dann auch Thema einer Ausstellung im Gutenberg-Museum. Der ehemalige Kulturdezernent Dr. Anton Maria Keim hat damals die Idee vom Plakatgedicht aufgegriffen. Die ersten Mainzer Plakatgedichte entstanden im Bleisatz auf einem Blattformat von
50 cm x 70 cm. Strugalla zeigte u.a. auf dem Bildschirm ein Plakat, mit dem auf vier Seiten aufgeteilten Titel „Qu – ar – te – tt“, von 1988, das aus spielerisch positionierten Lettern vier Köpfe bildet.
Außer Plakaten entstanden auch Buchformen: Hierbei wird, so Strugalla, „die Brückenfunktion nach Frankreich besonders deutlich“. Präsentiert wurden nun einzelne Buchseiten mit visuellen und konkreten Gedichten, die zum Teil nicht als nachvollziehbarer Text sondern als optisches Lautgedicht zu verstehen sind. Mit der Loslösung von der Sprache wurde auch die Übersetzungsproblematik überbrückt. Texte aus dem Französischen wurden „übertragen“, nicht übersetzt, das war der eigentliche Reiz.
Diesen Reiz konnte das Publikum nachvollziehen, als es von Antonin Artaud eine nicht lesbare Buchseite mit acht durch Balken zerstückelte Textseiten sah, die sehr wohl ansprechend gestaltet war. Auf der nächsten Doppelseite, die Strugalla zeigte, waren Teile der Buchstaben ausgestrichen, so dass die Lettern des 7-Zeilers nicht mal ihre Identität preisgaben, vielsprachig präsentierte sich eine weitere Doppelseite, die links eine Kreuzform aus vier Blocksätzen bildete und rechts ein auf der Spitze stehendes Dreieck bildete, dessen erste Zeile „la pipi“ heißt und nach unten in die untereinander zentriert angeordneten Lettern „cuira“ ausläuft.
Das Publikum betrachtete sprachlos die gezeigten Buchseiten, die alle sehr experimentell und zum Teil durch Illustration oder Kontrastierung von reinen Bildseiten gestaltet waren. Die Idee dieser Bücher war, die konkrete Poesie, einen Sonderfall der optischen Dichtkunst aus der Zeit nach dem 2. Weltkrieg durch die Schönheit des Buches aufzuwerten.
Bei aller Freude, hier mit der Typo im Bleisatz zu experimentieren, gerade diese Richtung der Poesie brachte die Buchkünstler schnell in die Klemme. Einer der bedeutendsten konkreten Poeten, Franz Mohn, verfasste Texte, die von der Wiederholung von Buchstaben leben. Erst mit der Computertechnik war es daher möglich, ein Bildgedicht mit einhundert Ws zu setzen. Am Schluss seines Referates ging Strugalla auf die Kriterien des Offsetdruckes ein, die er natürlich als Option auch für seine künstlerische Arbeit nutzt.
Flothmann dankte Johannes Strugalla für die authentischen Ausführungen und Bilder zu seinem künstlerischen Werk, das anwendungsbezogen auch die Satz- und Drucktechniken von einst bis heute spiegelt. Dem zu folgen, war ein Erlebnis.
Der Vizepräsident der Intern. Gutenberg-Gesellschaft, Günther Knödler, dankte in seinem Schlusswort den Initiatoren und der Referentin sowie den beiden Referenten nochmals für die interessanten Kurzvorträge in Wort und Bild, was vom Schlussapplaus der Besucher nachdrücklich unterstrichen wurde.
DANKE an alle und herzliche Grüße aus der Gutenberg-Stadt Mainz auch nach Paris
,,Gott grüß die Kunst"
Ihre
Günter Lindner und Hartmut Flothmann
Organisatoren des Jour Fixe und Vorstandsmitglieder der Internationalen Gutenberg-Gesellschaft
Bericht: Sabine Idstein, Günter Lindner, Hartmut Flothmann, Mainz, April/Mai 2009
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