Gutenbergs Jugend

 

Gutenberg besuchte möglicherweise eine der Mainzer Stifts- oder Klosterschulen.

Als Sohn einer Patrizierfamilie ist ein solcher Ausbildungsweg für Johannes Gutenberg nicht auszuschließen und auch seine guten Lateinkenntnisse lassen darauf schließen. Vielleicht ging er dafür in das Stift St. Viktor vor Mainz. Gutenberg wurde später jedenfalls Mitglied der Laienbruderschaft von St. Viktor. 

 

Gutenbergs Familie musste mehrfach Mainz verlassen, u. a. in den Jahren 1411 und 1413.

Zu Johannes Gutenbergs Zeit gab es schwere Konflikte in Mainz zwischen dem Patriziat, der städtischen Oberschicht, und den Zünften, wie die Zusammenschlüsse der Handwerker genannt wurden. Dank einer neuen Ratsverfassung hatten die Zünfte gegenüber den alten Patrizierfamilien mehr Rechte und damit mehr Mitspracherecht in der Stadtregierung erhalten. Bald schon gab es dann einen ersten Streit zwischen den beiden Parteien über die Wahl eines neuen Bürgermeisters. Im Jahr 1411 verließ Friele Gensfleisch Mainz deswegen kurzfristig zusammen mit über einhundert anderen Patriziern. Schon zwei Jahre später im Jahr 1413 verließ Gutenbergs Familie wegen Hungerkrawallen die Stadt ein weiteres Mal.

 

Während seiner Abwesenheit aus Mainz wohnte Gutenberg wahrscheinlich bei Verwandten in Eltville.

Eltville am Rhein besitzt eine kurfürstliche Burg, die 1347 fertiggestellt wurde. Im Anschluss daran war die Stadt bis 1480 Residenzort der Mainzer Erzbischöfe. Durch seine familiären Verbindungen nach Eltville war Gutenberg eng mit der nahe von Mainz gelegenen Stadt verbunden (seine Familie besaß dort ein Haus).

 

1418/19 studiert ein „Johannes de Alta villa“ (Eltville) an der Universität Erfurt. Ob es wohl Gutenberg war?

Wir wissen nicht, ob Gutenberg eine Universität besucht hat, aber er konnte gut Latein und damit ist ein Studium durchaus wahrscheinlich. In diesem Zusammenhang erwähnen Forscher gerne die Matrikel (öffentliches Verzeichnis) der zu Mainz gehörenden Universität Erfurt. Darin steht, dass sich im Sommersemester 1418 und im Wintersemester 1418/19 ein „Johannes de Alta villa“ („Johannes aus Eltville“) dort eingeschrieben hat. Man glaubt, dass Gutenberg damit gemeint sein könnte, weil seine Familie wie im letzten Teil erwähnt häufig nach Eltville umgezogen war. Im Wintersemester 1419/20 schloss dieser Johannes sein Studium mit dem Baccalaureus, dem niedrigsten akademischen Grad, ab.

 

Gutenberg nannte sich erst in den 1420er Jahren nach dem im Familienbesitz befindlichen »Hof zum Gutenberg«.

Sich selbst nach dem Familiensitz zu nennen, war zu Johannes Gutenbergs Zeit üblich. Der »Hof zum Gutenberg« lag an der Ecke Schusterstraße und Christophstraße in der Mainzer Altstadt und existiert heute nicht mehr.

 

1420 stritten Gutenberg und sein Bruder Friele mit ihrer Stiefschwester Patze Blashoff um das Erbe ihres Vaters.

Das Dokument über diesen Streit ist tatsächlich der erste sichere Nachweis über Johannes Gutenberg. Sein Vater war im Herbst 1419 gestorben und im Jahr darauf folgte der Erbrechtsstreit. Neben Gutenberg, der hier als „Henchen“ (eine Mainzer Form für Johannes) auftaucht, und seinem Bruder stand auch sein Schwager Clas Vitzthumb auf ihrer Seite gegen Patze Blashoff. Unser Erfinder vertrat sich dabei selbst mit eigener Vollmacht. Somit war er um 1420 volljährig, was in seiner Zeit bedeutete, dass er älter als 14 Jahre war.

 

Am 16. Januar 1430 vereinbarte Gutenbergs Mutter mit der Stadt Mainz eine Leibrente von 13 Gulden für ihren Sohn.

Johannes Gutenberg war zu diesem Zeitpunkt selbst nicht vor Ort. Die Leibrente war in der Frühen Neuzeit weit verbreitet, denn mir ihr konnte man das kirchliche Zinsverbot umgehen. Bei der Leibrente zahlten wohlhabende Personen einen bestimmten Geldbetrag an ihre Stadt und bekamen dafür eine regelmäßige Zahlung bis zu ihrem Lebensende. Starb der Empfänger der Leibrente, bevor die eingezahlte Summe aufgebraucht war, konnte die Stadt den Rest behalten. War das Geld jedoch schon vorher aufgebraucht, musste die Stadt die Leibrente trotzdem weiterzahlen. Mainz musste eine ganze Reihe solcher Leibrenten bezahlen, die ihr Verlust brachten. Das war auch einer der Gründe für ihre hohen Schulden, die sogar dazu führten, dass die Stadt 1456 zahlungsunfähig war.

 

Gutenberg wurde in der „Rachtung“ des Mainzer Erzbischofs Konrad III. (um 1380-1434) vom 28. März 1430 erwähnt.

Bei dieser Urkunde handelt es sich um eine „Rachtung“. Das Wort Rachtung ist eine altertümliche Bezeichnung für einen Vertrag, der zur Schlichtung eines Streits oder zum Friedensschluss zweier Gegner geschlossen wurde. In diesem Vertrag ging es um eine Einigung zwischen den Patriziern und den Zünften der Stadt Mainz. Beide waren, wie schon gesagt, mehrfach in Konflikt miteinander geraten. Seit 1429 hatten die Zünfte die Oberhand und beherrschten den Rat. Sie beschlossen, die Steuern der Patrizier zu erhöhen. Gleichzeitig wollten sie verhindern, dass die betroffenen Familien einfach die Stadt verließen, um die Steuern nicht zahlen zu müssen. Daher sollten die Patrizier nun dazu verpflichtet werden, zehn Jahre in Mainz zu bleiben, sonst würden sie ihr Bürgerrecht verlieren. Gutenberg wird in der Urkunde namentlich genannt, war aber zu der Zeit nicht in Mainz. Ihm und anderen Patriziern, die auch nicht in der Stadt waren, wurde angeboten, ohne Auflagen zurückkommen zu können. Das Angebot nahm er nicht an.